Sind Animes nur für Kinder? - Hängt vom Genre ab. Hidden erklärt das schon im Post über mir, inbesondere Shonen, Junge 7-18 und Shoujou, Mädchen von 7-18 (Im Gegensatz zu Josei, Frau von 18-40, und Seinen, Mann von 18-40). Diese sind nunmal explizit auf ihre Demografie angepasst (was nicht heißt, dass auch Leute anderer Altersgruppen diese nicht ansehen). Und hey, so sehr unterscheiden die sich vom Kern nichtmal von westlichen Filmen. Diese haben ein ähnliches Konzept mit ähnlich viel Action/viel Romanze. Welcher westliche Teenie geht nicht gern in den nächsten 007 oder den nächsten Twilight-Film?
Statistiken sagen sogar, dass das Durchschnittsalter an Animeguckern (ähnlich wie bei Videospielen), stetig ansteigt. Das ist einfach darauf zurückzuführen, dass diejenigen, mit denen die Animewelle im Westen damals anfing (so richtig schon in den 70ern und 80ern. [Fun Fact: Heidi oder Hanni & Nanni sind auch Animes, die sogar sehr gut im Westen ankamen. Viele wissen nichtmal, dass es japanische Produktionen sind.]), einfach älter werden und ein Teil davon auch noch heutige Animes schaut.
Daher gehe ich halt so weit und sage, dass das ganze reine Generationssache ist. In einigen Jahren wird die Welt dem sicherlich viel toleranter sein.
Warum also nun dieses aktuelle Schubladendenken? Wie auch hier schon besprochen liegt das einfach an Vorurteilen und Ignoranz.
Viele vergleichen Animes einfach mit westlichen Cartoons und westlichen Animationsfilmen, die zugegebenermaßen auch fast ausschließlich für junge Kinder und heranwachsende Teenager entwickelt werden, daher finden insbesondere viele Erwachsene es lächerlich, wenn man sich als Jugendlicher soetwas ansieht. Der Vergleich ist garnichtmal so weit hergeholt, bloß wird halt die angesprochene Altersgruppe der Serie ausser Acht gelassen, daher halt das denken "Animation = für Kinder". Dummerweise wird das auch noch durch westliche Filme bestärkt. Es gibt kaum erkennbare Animationsfilme, die für Erwachsene gedacht sind, siehe beispielsweise die ganzen Pixar oder Disney-3D-Produktionen.
Ein Anime ist nichts anderes als eine Serie. Ein Cartoon ist ebenso nichts anderes. Sogar Sitcoms (How I Met Your Mother z.B.) oder Krimis (CSI, NCSI, ...) sind auch nur Serien. Sie sprechen bloß eben jeweils eine andere Demografie an. Verurteile ich nun andere, weil sie Krimiserien sehen? Nein. Sollte ich also verurteilt werden, weil ich Animes sehe?
Animes haben halt auch noch besonders das Problem, dass Leute im Westen wenig Bezug zu einem entwickeln können. Zugegebenermaßen auch verständlich. Fast alle Animes spielen in Japan, zeigen japanische Sitten (die man im Westen kaum kennt), und haben auch ein anderes Erzählschema als westliche Serien. Nahezu alle Anime-Genres sehen mit westlichen Augen komisch aus. Zum Beispiel Comedy in Animes ist sehr japanisch gehalten. Und Japaner finden nunmal andere Sachen lustig, als die meisten hier (siehe z.B. das exzessive Nasenbluten).
Was man auch oft hört und zu dem "Ekel" vor Animeguckern beiträgt ist nunmal die Sache mit Hentais. Pornos werden überall gedreht. Hentais kommen fast ausschließlich aus Japan. Wenn man sich über Animes informiert, stolpert man früher oder später auf welche, die exzessiv viel Haut zeigen (siehe Ecchi), wenn man tiefer geht kommen die ersten Hardcore-Dinger, dann die ersten Tentakelmonster. Natürlich schreckt das viele ab und leitet dazu, Animes mit Hentais zu assoziieren und sie in dieselbe Schublade zu stecken. Zugegebenermaßen tut die Industrie an sich auch nicht viel dagegen, denn in fast jedem Anime gibt es Charaktere mit übergroßen Glocken oder welche, die sehr viel Haut zeigen. Doch eig. sollte man auch da nicht differenzieren. Hentais sind keine Pornos? Doch, genau das sind sie. Nur eben als 2D-Animation. Es gibt auch welche in 3D! Sollte man also, nur weil es Pornos, Hentais und 3D-Produktionen gibt, auch Realserien, 2D-Animationen und 3D-Animationen sofort mit denen assoziieren? Natürlich nicht. Doch genau das wird oft im Falle von Animes gemacht.
Es ist halt alles eine Frage der Toleranz und wie offen man zu solchen Dingen ist. Soweit sind die meisten Menschen im Westen nunmal nicht.
Man sollte auch nicht dauernd auf RTL 2 rumhacken. Ohne die hätten viele hier ihre Begeisterung für Animes garnicht erst entdeckt. Zumal die ganze Zensur auch nicht gänzlich ihre Schuld ist. Die stehen auch sicherlich unter Druck. Ich kann mir schon vorstellen, dass irgendwelche Verbände frustrierter Mütter dauernd Briefe an die schreiben mit "ZU VIEL BLUT! ZU VIEL HAUT!", im selben Atemzug ihren Kindern dann aber "Call of Duty" kaufen und mit ihnen ins nächste "Stirb Langsam!" gehen. Ausserdem ist der Jugendschutz hier in Deutschland einer der striktesten der gesamten EU, daher gibt es sicherlich auch Stress aus politischer Seite.